Sprachaufnahmen sind doch ganz einfach… oder?

– Ja logo, ich brauche nur ein Mikrofon und eine Soundkarte, schon kann´s losgehen.

Theoretisch reicht das auch, aber wie überall steckt der Teufel im Detail. Und so spielen auch hier kleine Faktoren wie üblich eine große Rolle.

Punkt 1, das Mikrofon… viel Auswahl, Preisunterschiede von 100 bis 2000.- Euro, und trotzdem keine Garantie, dass das teure Mikro auch für den Zweck gut klingt.

Punkt 2, Recording Equipment… HD Recorder, DAW, Vorstufen, oder vielleicht reicht ja auch der Laptop mit eingebauter Soundkarte, und natürlich auch Recording Software, was past zusammen?

Punkt 3, der Raum…. Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer, oder doch lieber eine Sprecherkabine?

Punkt 4, Postproduktion… das aufgenommene Material kann ich doch gleich so wie es ist verwenden, oder?

So betrachtet, kann jede der oben genannten Komponenten eine gute (Sprach)aufnahme verhindern, wenn unpassendes Equipment eingesetzt wird.

Los geht´s mit den Mikrofonen. Hier unterscheidet sich ein professionelles Studio eklatant von einem semiprofessionellen Heimanwender. Studios verwenden Equipment, das über Jahre hinweg immer wieder durch Zukäufe, Austausch, verfeinert wurde, getestet durch die praktische Anwendung bei, eben, Tonaufnahmen. Der Tontechniker hat in der Regel immer mehrere passende Kombinationen parat, um eine Aufnahme zu realisieren. Denn nicht jedes Mikro passt zu jeder Stimme.

Hat man nun das passende Mikro, kommt die nächste Komponente in der Aufnahmekette zum Tragen, die Vorstufe. Das kann nun ein Eingang eines Mischpultes sein, eine Mikrofonvorstufe, aber auch ein Soundkarten-Eingang. Gute Vorstufen bringen die besten Ergebnisse, sind aber meist teuer, und somit für Heimanwender eher uninteressant. Zudem herrscht seit dem Einzug der Digitaltechnik in die Studiowelt bei einigen Leuten die gefährliche Meinung, „Fix it in the mix“ was wohl so interpretiert wird, dass die Aufnahme zweitrangig ist und alles in der Nachbearbeitung zufriedenstellend korrigiert werden kann. Dies ist definitiv nicht so, denn etwas, das nicht auf der Aufnahme ist, kann man auch nachträglich nicht herbeizaubern. Deshalb ist es sehr wichtig, sich schon bei der Aufnahme klanglich möglichst nah an das angestrebte Endergebnis heran zu arbeiten.

Jetzt komme ich zum wichtigsten Punkt in der ganzen Kette, dem Aufnahmeraum. Um sich den Einfluss eines Raumes bewusst zu machen, wie viel Hall und Klangbeeinflussung dadurch passiert, klatschen Sie einmal in die Hände und lauschen, was passiert. Das Klatschen verstummt erst nachdem der Nachhall abgeklungen ist, je weniger im Zimmer steht, umso länger dauert es. Mit der Sprache verhält es sich analog, und da die Hallanteile vom Mikrofon auch aufgenommen werden, kann man sich nun leicht vorstellen, wie stark dieser Faktor die Aufnahme beeinflusst.

Einfache Regel, je weniger Raumanteil in der Aufnahme ist, umso besser ist die Verständlichkeit. Die besten Ergebnisse erzielt man mit einer schallgedämmten Sprecherkabine in der der Raumanteil auf ein Minimum reduziert wird.

Letzter Punkt ist die Postproduktion, in der das aufgenommene Signal optimal für die Anwendung aufbereitet wird. Auch hier kann man durch falschen oder übermäßigen Einsatz von Plugins, z. B. Kompressoren, EQ, das Ergebnis negativ beeinflussen. Warum sage ich negativ? Aus dem Grund, weil solche Plugins bei fast allen Auiobearbeitungsprogrammen mitgeliefert werden. Aber, wie schon bei der Hardware gehört, sind diese Effekte nicht so einfach einzusetzen, es braucht schon einige Erfahrung und Fingerspitzengefühl um zum Beispiel einen Kompressor optimal auf die aufgenommene Sprache einzustellen, so dass der gewünschte Effekt eintritt, ohne das dynamische Klangbild des Originals zu verfälschen.

Zudem wird Sprache meist auch in ganz bestimmten Frequenzbereichen bearbeitet, durch sog. DeEsser. Dies ist nötig, um die luftigen hohen Frequenzen der Stimme herauszuarbeiten, ohne dass Zischlaute wie s oder sch sich unangenehm im Klangbild nach vorne schieben. Aber Achtung, jeder Mensch hat ganz individuelle Frequenzen in seiner Aussprache.

Und hier kommt die alles entscheidende Komponente ins Spiel. Der Mensch, der das Ganze ausmischt. Seine Ohren sind der Maßstab für das Ergebnis, je besser er/sie Frequenzen Tonhöhen beurteilen und benennen kann, umso besser werden auch die Parameter der Plugins, die Einstellung der Vorstufe, sein und das Ergebnis in der Summe positiv beeinflussen.

Zusammengefasst kann man sagen, Recording ist wie ein Handwerksberuf, den man erlernen muss. Es gibt, wie auch im Handwerk, gute Heimwerker mit ganz passablen Ergebnissen, aber wer keinen Kompromiss eingehen will, der holt sich den Profi.